Werbung
Die Wiener Werkstätte GmbH war eine Produktionsgemeinschaft bildender Künstler. Gründungsmitglieder im Jahr 1903 waren Josef Hoffmann, Koloman Moser und der Industrielle Fritz Wärndorfer, der sich als Kunstmäzen einen Namen machte. Vorbild war die britische Arts and Crafts Movement.
Ziel der Werkstätte war die Erneuerung des Kunstbegriffes auf dem Bereich des Kunstgewerbes. Sie arbeitete hier mit der Wiener Secession und der Wiener Kunstgewerbeschule zusammen. Produziert wurden sowohl Alltagsgegenstände als auch Schmuck und Möbel.
Zeitweise waren die Künstler der Wiener Werkstätte so erfolgreich, dass Verkaufstellen in New York, Berlin und Zürich eingerichtet wurden.
Von 1905 bis 1911 errichtete Josef Hoffmann das Palais Stoclet in Brüssel und das Sanatorium in Purkersdorf. Die Ausstattungen stammten ausschließlich von der Wiener Werkstätte.
Im Zuge der Weltwirtschaftskrise kam es zum Einbruch der Verkaufszahlen, da die Zielgruppe, das Bürgertum, verarmte.
1926 konnte sich das Unternehmen nur knapp durch Ausgleich vor dem Konkurs bewahren.
1932 war der Bankrott nicht mehr abzuwenden.
Diese Produktionsgemeinschaft bildender Künstler strebte im Zusammenhang mit der Wiener Kunstgewerbeschule und der Wiener Secession eine Erneuerung der Kunst auf Basis handwerklicher Gediegenheit an. Wien sollte zum Zentrum geschmacklicher Kultur auf dem Gebiet des Kunstgewerbes werden.
Das Unternehmen, gelegentlich auch bezeichnet als: Wiener Werkstatt, Vienna Workshop, Wiener Werkstaetten oder Wiener Werkstätten, hatte eine klare Zielsetzung: die gesamten Lebensbereiche des Menschen gestalterisch zu vereinen, im Sinne eines Gesamtkunstwerkes. Dies begann mit der Schaffung fortschrittlicher Arbeitsbedingungen für Handwerker und endete mit dem Wunsch, alles neu zu gestalten, egal ob Alltags- oder Schmuckgegenstände.
Ziel war, nur Gegenstände außerordentlicher Eigenständigkeit und Schönheit herzustellen. So legte man sehr großen Wert auf exquisite handwerkliche Verarbeitung, nach der Devise: „Lieber zehn Tage an einem Gegenstand arbeiten, als zehn Gegenstände an einem Tag zu produzieren.“
Der besondere Verdienst der Wiener Werkstätte lag in der Überwindung der wuchernden Jugendstilornamentik belgischen und französischen Stils. Nun dominierten geometrisch-abstrakte Formen, die das Kunsthandwerk des gesamten 20. Jahrhunderts beeinflussten.
Sitz des Unternehmens war in der Neustiftgasse 32-34, wo ein Gewerbebau adaptiert wurde. Ab 1912 mietete man in einem angrenzenden Neubau von Otto Wagner (Döblergasse 12) weitere Räumlichkeiten.
Das Duo Hoffmann und Moser ergänzte einander so gut, dass es oft schwierig war, zwischen den Entwürfen zu unterscheiden. Nun konnte man in der eigenen Werkstätte gründliche Kenntnisse in der Behandlung der verschiedenen Materialien erwerben. Zu den Kunden der Wiener Werkstätte zählten hauptsächlich Künstler und die aufstrebende jüdische Ober- und Mittelschicht der Monarchie.
Die Bekanntschaft Josef Hoffmanns mit Berta Zuckerkandl führte zum ersten großen Auftrag: dem Sanatorium Purkersdorf. Viktor Zuckerkandl, Bertas Schwager, plante dieses im Westen Wiens. Unter den Mitarbeitern der Werkstätte war auch rund ein Dutzend Frauen, „die damals entscheidend für den Stilwandel vom Jugendstil zum Art Déco der 20er-Jahre waren.“ Von Kritikern als „Wiener Weiberwirtschaft“ oder „Wiener Weiberkunstgewerbe“ verspottet, brachten es die Frauen zu einigem Erfolg.
Vally Wieselthier etwa führte von 1922 bis 1927 ihre eigene Werkstätte, die Keramische Werkstätte Vally Wieselthier, und belieferte die Wiener Werkstätte mit Kommissionswaren, bevor sie 1928 in die USA übersiedelte.
Gudrun Baudisch kam im August 1926 zur Keramikabteilung der Wiener Werkstätte, wechselte später zur Tonindustrie Scheibbs und gründete 1945 die Keramik Hallstatt.
Weitere bekannte Künstlerinnen waren Reni Schaschl, Hilda Jesser und Susi Singer.
Die Gründung der Tonindustrie Scheibbs 1923, die sich auf die Herstellung von Keramik spezialisierte, führte zu regem Austausch zwischen den Werkstätten, besonders durch Vally Wieselthier und Gudrun Baudisch.
Die Wiener Werkstätte stellte bereits im ersten Jahr Schmuck her. Dieser blieb bevorzugtes künstlerisches Medium. Der Einfluss Gustav Klimts zeigte sich am Beginn sehr deutlich: er inspirierte vor allem die Kunst Koloman Mosers, der ihm von allen Künstlern der Wiener Werkstätte am nächsten stand. Seine Silberkreationen sind von vielen Bildern bekannt, auf denen Emilie Flöge Koloman Mosers Schmuck zu Klimts Kleidern trägt. Vorwiegend Silber wurde gehämmert, getrieben, patiniert und zu Halsbändern, Ketten, Ringen und Broschen verarbeitet. Dazu verwendeten die Künstler der Wiener Werkstätte Schmucksteine wie Achate, Karneole, Malachite und Amethyste, aber auch Lapis, Opale, Mondsteine und Korallen.
Dagobert Peche setzte sich besonders mit der Elfenbeinschnitzerei auseinander. Die Wiener Kunstgewerbeschule, wo sich die Schüler Josef Hoffmanns und Koloman Mosers auf dem Gebiet der Schmuckherstellung entfalten konnten, leistete Pionierarbeit für die Wiener Werkstätte.
Um 1900 dominierte das florale Ornament bei Schmuckstücken wie auch bei anderen kunstgewerblichen Arbeiten. Der französische und asiatische, vor allem der japanische Einfluss, waren ebenfalls sehr bedeutend.
Der zeitweilig sehr große Erfolg der kunstgewerblichen Artikel erlaubte die Einrichtung mehrerer Verkaufsstellen in Wien und die Gründung von Filialen im Ausland (Karlsbad 1909, Marienbad und Zürich 1916/17, New York 1922, Berlin 1929).
Ab dem Jahr 1904 war eine eigene Tischlerwerkstätte an die Produktion angeschlossen. Diese fertigte jedoch nur einen geringen Teil der Wiener-Werkstätte-Möbel. Die Werkstätte beauftragte vielmehr die exzellenten Tischlereien Portois & Fix, Johann Soulek (Palais Stoclet, Haus Ast), Anton Ziprosch und Franz Gloser (Sanatorium Purkersdorf), Anton Herrgesell, Anton Pospisil, Friedrich Otto Schmidt und Johann Niedermoser mit der Herstellung der Möbel. Diese galten jedoch als entworfen und ausgeführt von der Wiener Werkstätte. Einige Historiker meinen deshalb, dass es nur sehr wenige originale Möbel der Werkstätte gäbe. Sie gehen davon aus, dass bei Zuschreibung eines Kunstgegenstandes der Gründungsgedanke der Wiener Werkstätte maßgeblich sei: Eine Produktiv-Genossenschaft mit gleichberechtigten Künstlern und Handwerkern.
Eine andere Auffassung widerspricht dem und sagt, dass die Möbel den hohen Ansprüchen der Werkstätte entsprächen. Die Stücke wurden außerdem in den Schauräumen der Wiener Werkstätte ausgestellt und verkauft. Einige Exemplare sind signiert.
Ergänzend zu den Entwürfen für die Wiener Werkstätte ist Hoffmanns Bedeutung als führender Industriedesigner bei seinen Entwürfen für die Bugholzmöbelindustrie nicht hoch genug einzuschätzen. Diese zeichnen sich durch einfache Formen und zeitlose Eleganz aus. Es war die Firma Jacob & Josef Kohn, die diese Möbel einem internationalen Publikum nahe gebracht hat.
Von der Wiener Werkstätte wurden ab 1905 weiter handbemalte und bedruckte Seidenstoffe sowie Teppiche hergestellt. Für die maschinell bedruckten und gewebten Textilien war die Firma Joh. Backhausen & Söhne zuständig.
Neben Arbeiten in Leder, Email oder Postkarten verfügte die Wiener Werkstätte sogar über eine Hutabteilung und eine bedeutende Keramikherstellung. Es wurden über 900 verschiedene Kunstpostkarten veröffentlicht, wovon Oskar Kokoschka dreizehn Ansichtskarten gestaltete. Andere Künstler waren Mela Köhler, Egon Schiele, Fritzi Löw und Ludwig Heinrich Jungnickel. Diese Karten sind fortlaufend nummeriert und werden heute von Sammlern hoch gehandelt. Die geschätzten Auflagen betrugen zwischen 200 und 1000 Stück. Die Karten wurden von 1908 bis 1915 gedruckt. Zentralverkaufsstelle der Postkarten war das 1908 errichtete Stadtlokal der Wiener Werkstätte am Graben 15, aber auch die Filialen in Zürich und in Marienbad.
Eine bis zu dem Zeitpunkt der teuersten in Mitteleuropa gehandelte Ansichtskarten (Krampus mit Kind) wurde am 12. Oktober 2003 für 11.000 Euro versteigert und stammt aus der Wiener Werkstätte.
Ein großer Teil der in der Wiener Werkstätte hergestellten oder von ihr verlegten Objekte wurden mit dem Signet der Wiener Werkstätte, dem Monogramm des Entwerfers und des ausführenden Handwerkers versehen. Bis Anfang der 1920er Jahre war auch die Rosenmarke und bei Silberarbeiten der Silberfeingehalt eingeprägt.
Die Wiener Werkstätte verfügte im Jahre 1905 über etwa 100 Mitarbeiter. Davon waren 37 Handwerksmeister. Zwischen 1905 und 1912 entstand nach Entwürfen von Josef Hoffmann das Palais Stoclet in Brüssel, das zur Gänze von der Wiener Werkstätte ausgeführt wurde. Gustav Klimt wurde in diesem Rahmen mit einem in der Wiener Werkstätte auszuführendem Fries (sog. Stoclet-Fries) für den Speisesaal des Palais beauftragt, deren Übertragungszeichnungen heute im Museum für angewandte Kunst (Wien) aufbewahrt werden. Es gilt als eines der wenigen Gesamtkunstwerke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Gegensatz Wiener Werkstätte und Adolf Loos
Im krassen Gegensatz zur Auffassung Josef Hoffmanns und der Wiener Werkstätte vom „Gesamtkunstwerk“, das Kunst und Handwerk auf einer Ebene verband, stand der Wiener Architekt Adolf Loos. In seinen Artikeln (Ornament und Verbrechen, 1908, Die Potemkinsche Stadt) stellte er sich gegen den Jugendstil, die Wiener Werkstätte und Josef Hoffmann, dessen in späteren Jahren entwickelten Formenreichtum er unentwegt geißelte.
Als einer der entscheidendsten Auffassungsunterschiede zwischen Adolf Loos und Josef Hoffmann kann die klare Unterscheidung zwischen Kunstwerk und Gebrauchsgegenstand, wie sie Loos vertrat, gelten. Dessen ungeachtet kann man sagen, dass diese Kontroverse nachträglich höher bewertet wurde. Vergleicht man nämlich die moderaten Werke des Adolf Loos mit seinen radikalen Worten, kann man erkennen, dass seine Feindschaft gegenüber den Ornamentikern vorwiegend polemischer Natur war.
Ab den Kriegsjahren 1914-1918 setzte eine neue Künstlergeneration Impulse für die Wiener Werkstätte. Wegen der tristen wirtschaftlichen Lage wurde jedoch immer wieder die Pracht der Ausstattung kritisiert. Da die Männer an den Weltkriegsfronten kämpften und/oder fielen, wurde die künstlerische Entwicklung der Wiener Werkstätte in den Kriegsjahren vorwiegend von weiblicher Handschrift geprägt. Die besondere Ausnahme war Dagobert Peche, der ab 1915 künstlerischer Mitarbeiter der Werkstätte wurde und ab 1917 die Filiale in Zürich leitete. Als „Jahrhundertgenie des Ornaments“ (Moser) stachelte er nicht nur den Unmut des Kritikers Loos an, sondern trug auch zum Niedergang der Wiener Werkstätte bei. Die späten Arbeiten konnten nicht mehr ausreichend abgesetzt werden, da ihr barockes Erscheinungsbild nicht mehr dem Geschmack der Zeit entsprach.
1914 übernahmen neue Financiers – Otto Primavesi und seine Frau Mäda - die Rolle Fritz Wärndorfers. Diesen kostete seine Leidenschaft für die Wiener Werkstätte sowie der beginnende Erste Weltkrieg sein gesamtes Vermögen. Dieses Schicksal sollte auch die Primavesis ereilen. Die wirtschaftlichen Probleme des Unternehmens in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg überlagerten die der Inflation.
1922 beteiligten sich die Wiener Werkstätten und Oskar Strnad mit dem Österreichischen Edelraum an der Deutschen Gewerbeschau München. Durch den Konkurs des Bankhauses Primavesi 1926 wurde die Wiener Werkstätte wirtschaftlich so geschwächt, dass sich das Unternehmen nur mit einer 35%igen Ausgleichsquote vor dem Konkurs retten konnte, doch fehlte es nun an finanziell potenter Klientel. Das Bürgertum, die potentielle Käuferschicht der Wiener Werkstätte, hatte in der Inflationszeit einen Gutteil seines Vermögens verloren. Dies wirkte sich auch nach 1926 aus. In den Jahren 1926 bis 1929 verpasste man Chancen auf marktorientierte Produktion und Absatz sowie realwirtschaftliche Betriebsführung.
Das Jahr 1932 bezeichnet schließlich das Ende der Wiener Werkstätte, deren Restbestände, etwa 7000 Objekte, zwischen dem 5. und 10. September im Auktionshaus für Alterthümer Glückselig zu meist sehr geringen Preisen versteigert wurden.
37 Jahre nach dem unfreiwilligen Ende der Wiener Werkstätte entdeckte ein Wiener Geschäftsmann den Wert der ausgelaufenen Marke. Harry Jodlbauer sen. produzierte im 18. Wiener Gemeindebezirk Polstermöbel, Sessel und Fauteuils. Im Jahr 1969 wurde er von Freunden, darunter Bundeskanzler Bruno Kreisky und Bürgermeister Leopold Gratz, auf die freie Marke hingewiesen und registrierte umgehend die Wort-/Bild-Marke "Wiener Werkstätten". In den folgenden Jahren erlangte die "Wiener Werkstätte" wieder einige Bekanntheit. Das Unternehmen lieferte seine Produkte bis in den Nahen Osten. Das Saudische Königshaus zählte dabei ebenso zu den Kunden wie der ehem. Formel 1-Rennfahrer Gerhard Berger.
Besonders prägend für die Kollektion der 1960er bis 1980er Jahre war der Designer Hans Hopfer. Gemeinsam mit dem neuen Firmenoberhaupt Harald Jodlbauer jun. entwarf er unzählige, flexibel planbare Polstermöbel-Elementgruppen. Modelle aus dieser Zeit heißen "Castell", "Golf", "Prestige", "Blum-Blum", "Tektonik", "Fregatte", "Living" oder "Chapeau-Claque".
Auch für das französische Unternehmen Roche Bobois wurden in Lizenz Polstermöbel gebaut. Mitte der 1980er Jahre ereilten die Wiener Werkstätten jedoch abermals wirtschaftliche Probleme, woraufhin der steirische Möbelhersteller KAPO 1986 das Unternehmen samt der Markenrechte übernahm.
Zu unrühmlichen Ehren gelangte die Marke im Jahr 2005, als im Zuge eines Markenstreits zum ersten Mal in der Rechtsprechung ein Urteil nicht nur in Zeitungen und Magazinen veröffentlicht wurde, sondern auch für alle Zeit im Internet gespeichert wurde. Der Prozess endete schließlich mit einem Vergleich der Streitparteien und mit einer neuerlichen Änderung der Wort-/Bild-Marke in "Neue Wiener Werkstätte".
Diese existiert bis heute. Jungdesigner wie Thomas Feichtner entwerfen heute ebenso Modelle für die „Neue Wiener Werkstätte“ wie der deutsche Designer Heinz Klein.
Für das gerade angezeigte Objekt haben wir leider keinen beschreibenden Text in Ihrer Muttersprache in unserem System hinterlegt.
Wiener Werkstätte
GmbH
| Adresse: | Wien |
Werbung